Dear Mrs President

What do you feel when you see all the homeless on the street?
Who do you pray for at night before you go to sleep?
What do you feel when you look in the mirror?
Are you proud?

How do you sleep while the rest of us cry? [P!nk – Dear Mr President]

Es gibt noch so eine kleine Anekdote, dass Debbie und ich fast die brasilianische Präsidentin gesehen hätten. Fast. Wenn der unglaubliche Stau und die typische brasilianische Verspätung uns nicht aufgehalten hätte.
Die Einladung von der Stadtverwaltung hätten wir aber gehabt 😉 (sollte wohl die Internationalität von Sao Goncalo betonen – Ausländer verirren sich sehr selten hierher).

Ironisch war es nur, dass ich letztens einen Blogartikel darüber gelesen habe, dass sich Deutschland doch ein Vorbild an Brasilien nehmen sollte. Die Präsidentin hat nämlich letztens einen USA-Besuch abgesagt und hat sich selbst durch Obamas Anruf nicht beschwichtigen lassen. Der Grund: Der NSA-Skandal.
Gut, vielleicht hat Deutschland da etwas zu „unkritisch“ reagiert, Danny hat allerdings noch folgendes erklärt:
Sie macht damit die Arbeit, Außenpolitik aufzubauen, kaputt. Brasilien und die USA standen kurz davor, für einen Aufenthalt im anderen Land kein Visa mehr beantragen zu müssen.
Schon jetzt hatte Brasilien z.B. Probleme, ihre zahlreichen Ölquellen (irgendeine neue Technologie) an internationale Firmen zu verkaufen – von den großen Firmen wie Shell war niemand interessiert.

Verständlich, bei der Korruption hier.
Wenn die brasilianische Weltmeisterschaft schon so viel wie die 3 letzten zusammen gekostet hat, kann man sich auch überlegen, in welchen Taschen das Geld gelandet ist.

Immer mehr wird mir die Präsidentin hier unsuspekt. Wie kann sie behaupten, dass die Forderungen der Demos erfüllt worden? Wieso schafft Brasilien das elektronische Wahlsystem nicht ab? (Danny hat von einem Fall aus dem Norden erzählt, in der es um eine Bürgermeisterwahl oder dergleichen ging. Der frühere Präsident hat verloren und dann später nochmal die Zahlen eingesehen: keine einzelne Stimme für ihn, nicht mal seine. Sehr glaubwürdig und nicht manipulierbar.) Wie kann diese Präsidentin nachts schlafen?
Darauf hat niemand eine gute Antwort, auch Google nicht.

Aber natürlich wäre eine Abwählung der Präsidentin mit dem Wahlsystem, ähm, einfacher regelbar. Der Großteil der Bevölkerung hat die Partei damals gewählt weil es 300 Reais (ca 100€) für jeden gibt der arbeiten kann (oder der arbeitet? Das weiß ich nicht mehr genau).

Übrigens mögen meien Gasteltern Angela Merkel voll, es gibt sogar Bilder mit ihnen und der Madame-Toussaud-Angie.
Go, Angie! 😉

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Einige Strandweisheiten und Mee(h)r

…Mehr bedeutet, ich versuche mal die letzte Zeit zusammenzufassen:

Debbie und ich werden so langsam selbständiger – und dadurch, dass ich sie quasi 24h/Tag bei mir habe, kommt es mir mittlerweile schon fast so vor, als würde ich so schon länger kennen. Es passiert aber auch mehr: Wir versuchen uns im Cookies oder Pfannkuchen backen, oder bestaunen gemeinsam unsere Unordnung (beide schuldig).

Debbies Lieblinge :)

Ja, mit dieser Kaugummisüchtigen verbringe ich hier meine Zeit! Bei brasilianischen Kaugummiempfehlungen wendet euch an sie, sie rächt sich dann, wenn es um meine „tolle“ Orientierung geht 😀 Und sie treibt mich zum Vokabellernen an, wir funktionieren ganz gut 🙂

Neu zu unsren Lieblingsbrasilianern ist Danivilly gekommen, die andere Tochter von David und Nivia. Jetzt testen wir, wie es uns durcheinander bringt, zwei Dannys (Danivilly und Dannilly) im Haus zu haben!

Mit Debbie und brasilianischer Begleitung war ich heute schon früh am Strand, dabei bekamen wir einiges erklärt:

  • es ist unerhört, dass wir nicht viel zu den Sachsen wissen, das ist schließlich unsere Geschichte der Deutschen
  •  „Das Amazonasgebiet muss man nicht gesehen haben, da kann man eh nur fischen oder ein paar Tiere beobachten.“ (Meinung zweier Brasilaner)
  •   mit dem 21. Geburtstag ändert sich überhaupt nichts. Und wie ihr dürft dann nach der Probezeit nach mit Promille fahren? Dafür wird man hier schlimmer bestraft, als wenn man mit einer Haschzigarette erwischt wird!
  •   trotzdem gibt es immer „the brasilian way“ zu leben, daher findet es niemand schlimm, Regeln zu beugen 😀

Danach bin ich noch in die Kirche gegangen, nach dem Auftakt zum Missionsmonat gab es heute auch was ganz neues:  ich war im Kindergottesdienst! Da hab ich dann auch mal die Andacht verstanden 🙂 (so viel zu meinem Sprachniveau hier. Es klappt aber mittlerweile ganz gut)
Und ich habe ihnen „Er hat die ganze Welt in seiner Hand“ singen begebracht. Nächsten Sonntag verfeinern wir das noch, die Begeisterung dafür ist da 🙂

Das sollte eigentlich auch bei den Kindern in meiner Schulklasse klappen! (Debbie und ich werden es hoffentlich demnächst versuchen! 😉 ) Seit ein paar Tagen bin ich in der Klasse der 5-6-Jährigen (Jardim 3) – dort gibt es mehr Küsschen der Kinder für mich, und ich werde mehr ausgefragt (Sag mal „Schule“. Sag mal „Tisch“. Sprichst du Englisch? Setzt du dich zu uns an den Tisch?).

Und die kommende Woche kommt noch neues auf mich zu: Wir werden uns den Unterricht der älteren Kinder mal anschauen, und tadaaaam: Ich habe tatsächlich meinen ersten Gitarrenunterricht hier!

Antarktis oder Brasilien?!

Einer der schönsten Tag hier 🙂 Schaut euch es an, es war wie in Urlaubskatalogen…

My brasilian life

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Diese Frage mag im ersten Moment vielleicht komisch klingen, doch wenn man die Geschichte hierzu kennt, ist die Frage auf einmal mehr als berechtigt.

Um euch aufzuklären stelle ich eine zweite Frage, wer hat in Brasilien im Meer schon einmal Pinguine gesichtet?

Genau das ist uns heute passiert. Wir (David, Nivia, Manu und ich) sind heute morgen um 11 Uhr an einen wunderschönen, traumhaften, einzigartigen und beneidenswerten Strand gefahren. Es war ein wirklich toller Tag und ich bin jetzt noch ganz begeistert. Nachdem wir an dem Strand eine weile entlang geschlendert sind und Fotos geschossen hatte, erzählte uns David auf einmal dass es weiter hinten Schildkröten gäbe. Natürlich waren Manu und ich sofort Feuer und Flamme und wir sind sofort hin gelaufen. Allerdings war das Wasser an dieser Stelle ziemlich unklar und man konnte nur die Umrisse erkennen, aber trotzdem, wer kann schon mal von sich behaupten in der…

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Anders [2] Diesmal: Brasilianer sein

Vorgestern hat Debbie (meine Mitfreiwillige: hier ihr Blog) ihre ersten Brasilianer außerhalb der Familie kennengelernt.
Sie hat genauso reagiert wie ich und dadurch wird einem nur mehr bewusst, wie offen und brasilianisch alle sind.
Das sind so meine, bzw. unsere Eindrücke:

Die Mädels, die mit Danny am Modelwettbewerb teilnehmen, sind alle übelst interessiert – mal was Neues, so zwei deutsche Mädchen.
Natürlich wurden wir auch alles mögliche gefragt, zum Beispiel welche Autos wir selber in Deutschland fahren (den Modellnamen kannten sie nicht) oder wie unsere Eltern zu unsrem Projekt hier stehen.

Zeit ist übrigens wirklich spürbar relativ. Vermutlich war Albert Einstein einfach in Brasilien, als er das herausgefunden hat. Da kommt man mit Danny zu der 9 Uhr Probe um 9.15 Uhr, also so gut wie pünktlich und dann heißt es trotzdem warten. Allerdings „chillen die alle ganz schön hart“ (Debbie) und mit ein paar Kleinigkeiten zum Essen überbrückt man die Zeit mit Schwätzen… Um 10 Uhr gings dann in den Raum und so 10 Minuten später dann sogar los mit Üben…
Noch ein Zeitbeispiel: Heute war der Wettbewerb (um 16 Uhr) und Danny sollte schon eine halbe Stunde früher da sein. Also waren wir so Viertel vor 16 Uhr da – Da wurde grade noch der Laufsteg aufgebaut. Um 18.30 Uhr hat es dann tatsächlich angefangen…

Soundtrack zum Wettbewerb von der „brasilianischen Beyoncé“  gibts in diesem Youtube-Clip:

(In dem super angesagten Lied geht es um Frauenpower)

Die Jungs sind auch offen: Jedes Mädchen mit einem Selbstwertproblem sollte nach Brasilen reisen. Dann wird sie erstmal wegen ihrer tollen Augen und Aussehen beschwatzt. Und kräftige Oberschenkel? Hier total in. (Brasilianerinnen machen Workout dafür oder haben sogar Implantate) Brasilianische Models sind zwar dünn, aber anscheinend keine Jungsmagneten.
Auch fehlende Sprachkenntnisse werden sie von nichts abhalten: Man zeigt einfach auf seinen Kumpel am Tisch und sagt: „Beautiful? Beautiful?“. Oder auf sich: „Friends? Friends?“ usw.
Alles ganz normal hier. Ich bin froh, dass ich ihnen mittlerweile schon ein bisschen mehr sagen kann. Sollte mir was zuviel werden, schimpf ich ich mit ihnen wie die Tias mit den Kindern 😉

Eilmeldung: Was Samstag/Sonntag in den Nachrichten ist

– Es gibt am Samstag nochmal große Demonstrationen in Rio  –

Die werden immer über Facebook organisiert und es gibt sogar ein Demonstrationslied 😉
Danny ist sich grad nicht mehr sicher, ob sie gehen soll; (Sonntag ist der Modelwettbewerb von Sao Goncalo)
also vermutlich seh ich das ganze auch nur in den Nachrichten.

Gestern ist Debbie angekommen 🙂  Mit der Nutella (in Brasilien ist Nutella unglaublich teuer) am Frühstückstisch fühl ich mich fast wieder wie in Deutschland.
Und auch die Sprache ist mir auch nicht mehr sooo fremd…

Vielleicht sind Friedhöfe immer gruselig –

„Wie könnt ihr nur neben dem Friedhof Gottesdienst feiern?
…Ähm, weil das normal ist? Für meine Gastschwester gruselig.
Ich fand ihren Friedhof gruseliger – ein schachbrettartiger-Berg, nur dass die Schachbretter Nummern- bzw. Grabsteintafeln sind. Ja, überall der gleiche Grabstein – und kaum angepflanztes auf den Gräbern. Irgendwie sind unsre deutschen Kann-alles-sein-Grabsteine dann doch persönlicher.

Da ein enger Freund und Kirchenmitglied der Familie am selben Tag verstorben ist, dachte ich mir, ich könnte ja mal eine brasilianische Beerdigung miterleben. Vielleicht hätte ich mir auch eine andere aussuchen sollen, er war erst 55.
Um es in einem Wort zusammenzufassen: Emotional.

Der Trauergottesdienst war nicht in der Kirche, sondern in einem Gebäude auf dem Friedhofgelände. Dort gab es 6 klimatisierte Räume, in denen ein Sarg aufgebahrt werden kann – drum herum ist ziemlich viel Platz (=Stehplätze) und an den Seiten ein paar Sitzplätze.
Alle versammeln sich deshalb um den Sarg, ab und zu kommt jemand dazu oder bewegt sich im Raum, um z.B. jemanden zu trösten.
Es wird gesungen, der Pfarrer sagt ein paar Worte, und jemand anders hat dann einfach so noch von einem tröstlichem Gespräch mit dem Arzt erzählt. Später verabschiedet sich noch jeder sozusagen persönlich und es wird zum Grab gegangen…

Übrigens: Man regelt man hier Todesfälle anders:

  • Die Beerdigung war am selben Tag, soweit ich das mitbekommen hab. Sogar das Grab hat dann erstmal seinen „Nummernstein“ behalten.
  • Hier gibt es keine Leichenbestatter, die Familie/Pfarrer/irgendwer hilft dem Arzt, den Toten für die Beerdigung zu richten.
  • Früher waren alle in schwarz gekleidet, heute muss man das nicht mehr (ich kann mir auch kaum vorstellen, dass man sich hier im Sommer in Schwarz irgendwohin bewegen möchte).
  • Es gibt kein Beerdigungsessen. Und Trauerkarten hab ich auch keine gesichtet…