Jetzt „schnellchen“ noch ein paar Zeilchen!

…So ähnlich klingt das häufiger in meinem Köpfchen, weil Verniedlichen eine Art Volkssport ist (beliebt hier auch Wörter wie nahchen, schönchen, Minütchen, …). Wollt ihr ein noch ungewohnteres Situationchen?

Die Prüfungen standen an. Mein erster Gedanke: Die Kleinsten(chen) sind doch aber erst 4! Das „Prüfchen“ war dann aber doch sehr harmlos und für alle sehr gut machbar. Hauptsache, du malst das Bootchen blau und das Helicopterchen rot an.
Der Hammer kam dann aber bei den Größeren. Debbie hat mir nämlich erklärt, warum 3-4 größere Mädels bei den Viertklässlern saßen: Sie hatten Flipflops an und wurden deshalb nicht zur Prüfung zugelassen.
Als ich mich dann umgeguckt hatte, hatten bei dem heißen Wetter tatsächlich alle Halbschuhe an, mit Socken… (Zwei Freundinnen von mir haben in Jogginghose Abi geschrieben, aber verratet das hier keinem :D)

Tja, Aussehen ist alles 😉 Tatsächlich gibt es hier sogar den Ausdruck: „Culture of body“ wie ihn meine Gastschwester übersetzt hat. Und weil das -chen im Deutschen so langsam schlimmchen aussieht, versprech ich euch, damit jetzt aufzuhören.

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Das Sprachwunder

…Leider ist das nicht meins. Aber wir waren an meinem tollen Geburtstag unterwegs und haben in der Uni einer Freundin nette Leute kennengelernt. Und dann sogar einen Brasilianer, der voller Begeisterung neben Philosophie Deutsch studiert (ich würde mir die Grammatik ja nicht antun wollen). Aber es ist echt der Hammer, in Brasilien wieder Deutsch zu hören 🙂

Er hat sogar mal ein Gedicht in Deutsch geschrieben:

„Es war einmal die Welt

Als die Menschen erschafft wurden
War die Erde schon da
Der Himmel und das Meer hatten schon Vögel und Wolken, Fische und Korallen

Als die Menschen erschafft wurden
Waren die Götter nicht allein
Die Tiere waren ihren Gefährten
Die Bäume und Blumen haben schon geblüht

Die Welt hatte aber keine Schönheit
Es gab keine Augen um die Welt zu bewundern
Und die Schönheit kam auch zu sein
Als die Menschen erschafft wurden“

Abseits der üblichen Pfade

Auch wenn ihr euch das so nie so vorstellt, es hat heut fast den ganzen Tag geregnet. Wir haben hier sozusagen Aprilwetter im November: ein – zwei Tage so kalt, dass du einen Pulli anziehen kannst, dann wirds wieder extrem warm, dann mal so halbwarm bewölkt….

Und dann steht du schonmal in der Hitze vor der Weihnachtsdeko der Schule.  Es fehlt ja nur noch ein Monat! Übrigens gehörn zum Schmuck auch kleine Weihnachtsmänner, der warmangezogene Weihnachtsmann – und ich hab auch schon mal Deko-Schneeflocken entdeckt. So feiert man also Weihnachten im Hochsommer! Der unechte Weihnachtsbaum, der so groß ist wie ich, ist aufgestellt. (Wer hat sich eigentlich den Tannenbaum als Christbaum ausgedacht? In Isreal würde man die doch auch nie finden :D) Über das heiße „Weihnachten“ berichte ich dann, wenns es vorbei ist. Den Kindern erklären wir nächste Woche dann so Dinge wie Adventskalender, Plätzchen, Adventskranz, dass man an Weihnachten in die Kirche geht

Wenn wir nicht gerade sowas machen, versuchen wir weiter untouriste Sachen zu erleben. Daher haben wir mal im Inneren vom Bundesstaat Rio de Janeiro ein Wochenende bei Studienkollegin von unsrer Gastschwester verbracht:

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Vor uns liegt Valenca, und diese irren grünen Hügel (die man auf dem Bild leider nicht so gut sieht) hätte ich nie erwartet…
Auf der Busfahrt haben wir ein Wälchen Eukalyptusbäume gesehen, und leider haben wir die Faultiere, die es dort geben soll, nicht entdeckt.
Dafür aber Rodízios. Das sind All-you-can-eat-Restaurants, nur dass es kein Buffet gibt. Stattdessen kommt alle paar Minuten ein netter Mensch mit einer anderer Platte (je nach Rodizioart Pizza/Churrasco(Gegrilltes)/Nudeln/…) und fragt, ob du was davon möchtest.

Recreio

Wellen

Aber es gibt ja in dem Bundesland auch Strände: Hier waren im Rio, fernab der Touristrände (im Recreio), weil es dort einen Surf-Wettbewerb gab. Ich kann gar nicht sagen, was mich mehr beeindruckt hat; die 2m-Wellen oder die Surfer. Auch wenn das noch  auf „Amateur“-Ebene war, aber mit Teilnehmern aus ganz Brasilien.
Das endloses Busfahren dorthin hat sich gelohnt! (Hier wollte ich mal erwähnen, dass wir öfters mal lang im Bus sitzen. Werdet dankbar über Deutschlands Infrastruktur!)

Der 5 Minuten Fußweg zu einer anderen Kirche (igreja concressional)  hat sich aber echt gelohnt. Wir haben unsre erste Gebetsnacht (so eine Art  Nachtgottesdienst) und wurden super-♥lich empfangen.
So klingt die Musik dort z.B. in einem normalen Gottesdienst: Mighty to Save (Hillsong)

Hier gibt es auch die Diskussion über englischsprache Lieder nicht, sondern man singt einfach Übersetzungen. Es kann ja eh keiner Englisch 😉 Und der Pfarrer hat den E-Bass übernommen 🙂
Ab und zu singt man hier aber auch mal zu Playback, es gibt Chore (mein Weihnachtschor wird bei der Aufführung zu Playback singen), einfache portugiesische Lieder oder alte Klassiker aufgepeppt – die Musik ist der größte Unterschied  „normalen“ deutschen Gottesdienst.
Mein Gastvater hat mal gefragt, warum das bei uns so anders ist – worauf man jetzt viel sagen könnte, und ich immer noch nicht genau weiß, was.

Last but not least: 
ein Fußballerlebnis von mir: (Und das von jemanden, der nicht mal die WM übermäßig spannend findet) Man stelle sich 11 motivierte, brasilianische Jungs pro Team vor. Allerdings kriegt jetzt jeder noch ein Mädchen an die Hand und darf es nicht loslassen. GAUDI! Und das erste Fußballspiel, das wirklich Spaß gemacht hat 🙂

Portugiesisch für Anfänger und Riotipps

Portugiesisch für Anfänger

Abgesehen von der Schule sind Debbie und ich auch das erste Mal allein in Rio herumgeirrt.
Das ist ziemlich witzig, weil man Rio eigentlich nur per Bus wirklich entdecken kann.  Und ratet mal, was man auf keiner Karte findet. Richtig, Bushaltestellen oder Buslinien.  Die beste Strategie ist nach unserer Erfahrung, den Fahrgeldkassierer oder Busfahrer zu fragen – alle werden dir freundlich den Weg erklären, natürlich auf Portugiesisch. Oder sonst irgendwen – dabei sollte es aber besser eine Frau sein (ungefährlicher). Auch sonst werden wir hier ständig ermahnt:
„Redet leise Deutsch. Du kannst hier nicht einfach laufen, immer schauen, was um dich herum passiert! Nehmt nur eine Kamera mit. …“

Der Botanische Garten war echt schön, heute gibt es mal Bilder ohne uns: (und es gab auch kleine Äffchen, die aber ganz oben im Baum und zu schnell für unsere Kamera waren)
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???????????????????????????????(Debbies Lieblingsmärchenbaum)

Die Massensucht der Brasilianer: Fotos.

Nach 2 Monaten, in denen immer was dazwischen gekommen ist, überrascht mich eins sehr:
Es ist gar nicht kompliziert, von hier nach Rio zu kommen. „Du hast noch nie einen Bus nach Rio gesehen?!“ – Im Endeffekt fährt direkt von der nächsten Bushaltestelle ein Bus direkt ins Zentrum… Es steht aber „Castello“ und nicht Rio darauf… 😉

…Und von dort aus gehts z.B. weiter in die Sahara.
Sára, so nennen die Brasilianer ein Einkaufsviertel (viele billige Accessoires!) oder auch die Sahara.

Aber in Rio kann einem noch viel mehr passieren:

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Wir sind einem Mann begegnet, der Aras als Haustiere hat. Die hatte er einfach so beim Zeitungslesen mit dabei.
(Es ist für unsere brasilianische Begleitung immer witzig zu sehen, wie Debbie und ich ausrasten;) )
Sehr passend dazu, dass letztens der Anmationsfilm „Rio“  im Fernsehen lief 🙂

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Hier kommen wir zu Fotos mit (mehr oder weniger) bekannteren Sehenswürdigkeiten 🙂

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Und dann noch zu ganz aktuellen Themen hier. Keine Sorge, als wir da waren, war nur ein Bruchteil der Demonstranten da. Später hat mir dann meine Gastschwester dieses Foto geschickt. Und bei der nächsten Gelegenheit wurden wir auf eine paar Zelte aufmerksam gemacht: Dort übernachten Demonstrierende schon einen Monat lang.
Eine gute Freundin von Danivilly war auch bei einer Demo mit Polizeieinschreitungen – darüber musste ich sie natürlich ausfragen.
Sie konnte nicht alles überblicken, aber wirkliche Randale der Demonstranten hat sie nicht gesehen. Dann hat die Polizei kurz hinten und vorne abgesperrt und mit Pfefferspray + (Softair?) Geschosse alle attakiert… Das es so heftig werden würde, hätte sie nicht gedacht.
Ob Brasilien sich ändern kann? Es gibt viele Gründe dafür, zu demonstrieren – und für eine Änderung. (Sie hat z.B. erwähnt, dass Brasilien viel ::::: gibt, die Benzinpreise hier aber sehr hoch sind – es kommt einfach nichts bei der Bevölkerung an, es gibt eine unglaubliche hohe Schere von Arm und Reich, …)
Allerdings spricht gegen eine Änderung der Verhältnisse auch, dass die Schulbildung hier dich NICHT dazu erzieht, Dinge zu hinterfragen oder sich zu widersetzen. Die meisten Brasilianer lesen keine Zeitung und bekämen von Weltgeschehen eben nicht viel mit…
Wer will kann sich jetzt noch „Elite Squad“ anschauen, preisgekrönter Film über Rio & Korruption/Polizeieinsätze (ich bin gerade auch dabei ihn zu schauen). Oder den oben erwähnten Anmationsfilm Rio, wenns lustiger sein soll 🙂

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Debbie und ich freunden uns immer mehr mit den Schülern hier an – und es ist erstaunlich, wie viel lockerer der Unterricht hier läuft… Oder wie oft man hier von den kleineren geknuddelt wird 🙂
– Oder wie fotosüchtig selbst die Lehrer sind. Wir haben jetzt aber unglaublicherweise sogar 2(!) Mädchen getroffen, die nicht aufs Foto wollten. Deshalb ist es nie ein Problem Fotos zu machen. Oder zu spät zu kommen.

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Dann gibt es noch Gaby, die von Danilly grade gefüttert werden muss, weil sie nicht mehr richtig isst. Wie man sieht, liebt Gaby es so, dass sie mittlerweile Schutzkleidung tragen muss, damit Danilly nicht völlig verschrammt wird 🙂

Wer aufhört, besser werden zu wollen, hört auf, gut zu sein. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Was mache ich  nach 12 Jahren Lernen und Abi?
Weiterlernen.
Zumindest ist das gerade die Realität 🙂 (Und damit kann ich vermutlich auch für Debbie sprecen)
Es gibt auch so wahnsinnig viel zu lernen hier. (Und man sollte meinen, wenn man als Deutsche nach Brasilien kommt, kann man am besten Brasilien etwas beibringen)

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Oben auf dem Bild seht ihr das Ergebnis unseres Schminkunterrichts (♥-lichen Dank an Dannilly & zuletzt auch Dannivilly, meinen modebewussten Gastschwestern).

Dann ist normales Reden hier natürlich immer eine Art Sprachtraining. Und wir wechseln grad ziemlich locker zwischen Englisch (Danilly), Deutsch (Debbie&Danivilly) und Portugiesisch (alle, wir Deutsche versuchen das zumindest). Dazu versuchen Debbie und ich uns zum Vokabel und Grammatiklernen zu motivieren – und nehmen Unterricht beim Gastvater.
Die Kultur lernt man so nebenbei kennen.
Wusstet ihr, dass es hier normal ist, einem weiblichen Baby Ohrlöcher stechen zu lassen? Da hat es noch keine Angst davor 😀

Dazu kommen noch Erfahrungen mit den Kindern dazu – Debbie malt fleißig Kunstwerke für die Kinder, wir sind am Aktionen planen. Und natürlich haben die Kleinen jeden Tag neuen süßen Unsinn im Kopf. 😉  Oder wir sitzen bei den Großen mit drin und checken ab, wie viel wir von brasilianischem Matheunterricht verstehen.

Außerdem gab es jetzt mehrere Koch-/Backversuche:

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(hier gibts auch Bilder von unseren sensationellen Kässpätzle!)
Debbie und ich werden WG-reif. 😉 Und die „deutschen“ Berühmheiten im Supermarkt nebenan.

„Sing mal irgendwas.“ – „Alle meine Entchen … “  –> und schon wurden kurz die Akkorde dazu improvisiert und plötzlich klingt es brasilianisch (für mich klingt die Gitarrenmusik hier immer nach Strand & Urlaub)
Meine Gastmama hat mir zu meinen langersehnten Gitarrenstunden verholfen. Und zum liebsten Gitarrenlehrer, den ich je getroffen habe. In der ersten Stunde musste ich mich aber dann erst mal darauf einstellen, dass ein C oder C-Akkord hier plötzlich „Do“ heißt. Das wird dann nach der lateinischen Tonleiter weitergeführt, die aber leicht ins Portugiesische abgewandelt wurde 😉
(Die Musiker unter euch ahnen also schon: Do – Ré (He) – Mi – Fá – Sol – La – Si – Do)
Dafür strahlt mein Lehrer einfach aus, wie sehr er mich gern unterrichtet: Er hätte nie damit gerechnet eine Deutsche zu unterrichten, erzählt glücklich allen möglichen Leuten von unserem Unterricht, findet meine Schreibweise von „Symphonie de Beethoven“ toll und möchte eine Übersetzung von „Deus é amor“ – „Gott ist Liebe“. Diese Ruhe, die der ältere Herr ausstrahlt, kommt von Herzen.
Er hat mir außerdem eine Gitarre zum Üben mitgegeben, weil er die von David als schwer spielbar empfand (der Bundabstand variiert tatsächlich von 2mm – 1cm) 🙂
Und wenn er spielt (meist Melodien, aber dann auch locker kurz Bossa Nova, im Jamaika-Stil…) denkt man sich immer nur: „Das will ich auch können!“

Also heißt es weiter fleißig lernen. 😉 Hier sollte man eigentlich noch Surfen/Tanzen/Brasilianisch Kochen lernen/… ausprobieren, wer weiß was wir alles noch anstellen…