Abseits der üblichen Pfade

Auch wenn ihr euch das so nie so vorstellt, es hat heut fast den ganzen Tag geregnet. Wir haben hier sozusagen Aprilwetter im November: ein – zwei Tage so kalt, dass du einen Pulli anziehen kannst, dann wirds wieder extrem warm, dann mal so halbwarm bewölkt….

Und dann steht du schonmal in der Hitze vor der Weihnachtsdeko der Schule.  Es fehlt ja nur noch ein Monat! Übrigens gehörn zum Schmuck auch kleine Weihnachtsmänner, der warmangezogene Weihnachtsmann – und ich hab auch schon mal Deko-Schneeflocken entdeckt. So feiert man also Weihnachten im Hochsommer! Der unechte Weihnachtsbaum, der so groß ist wie ich, ist aufgestellt. (Wer hat sich eigentlich den Tannenbaum als Christbaum ausgedacht? In Isreal würde man die doch auch nie finden :D) Über das heiße „Weihnachten“ berichte ich dann, wenns es vorbei ist. Den Kindern erklären wir nächste Woche dann so Dinge wie Adventskalender, Plätzchen, Adventskranz, dass man an Weihnachten in die Kirche geht

Wenn wir nicht gerade sowas machen, versuchen wir weiter untouriste Sachen zu erleben. Daher haben wir mal im Inneren vom Bundesstaat Rio de Janeiro ein Wochenende bei Studienkollegin von unsrer Gastschwester verbracht:

SAM_5031 - Kopie

Vor uns liegt Valenca, und diese irren grünen Hügel (die man auf dem Bild leider nicht so gut sieht) hätte ich nie erwartet…
Auf der Busfahrt haben wir ein Wälchen Eukalyptusbäume gesehen, und leider haben wir die Faultiere, die es dort geben soll, nicht entdeckt.
Dafür aber Rodízios. Das sind All-you-can-eat-Restaurants, nur dass es kein Buffet gibt. Stattdessen kommt alle paar Minuten ein netter Mensch mit einer anderer Platte (je nach Rodizioart Pizza/Churrasco(Gegrilltes)/Nudeln/…) und fragt, ob du was davon möchtest.

Recreio

Wellen

Aber es gibt ja in dem Bundesland auch Strände: Hier waren im Rio, fernab der Touristrände (im Recreio), weil es dort einen Surf-Wettbewerb gab. Ich kann gar nicht sagen, was mich mehr beeindruckt hat; die 2m-Wellen oder die Surfer. Auch wenn das noch  auf „Amateur“-Ebene war, aber mit Teilnehmern aus ganz Brasilien.
Das endloses Busfahren dorthin hat sich gelohnt! (Hier wollte ich mal erwähnen, dass wir öfters mal lang im Bus sitzen. Werdet dankbar über Deutschlands Infrastruktur!)

Der 5 Minuten Fußweg zu einer anderen Kirche (igreja concressional)  hat sich aber echt gelohnt. Wir haben unsre erste Gebetsnacht (so eine Art  Nachtgottesdienst) und wurden super-♥lich empfangen.
So klingt die Musik dort z.B. in einem normalen Gottesdienst: Mighty to Save (Hillsong)

Hier gibt es auch die Diskussion über englischsprache Lieder nicht, sondern man singt einfach Übersetzungen. Es kann ja eh keiner Englisch 😉 Und der Pfarrer hat den E-Bass übernommen 🙂
Ab und zu singt man hier aber auch mal zu Playback, es gibt Chore (mein Weihnachtschor wird bei der Aufführung zu Playback singen), einfache portugiesische Lieder oder alte Klassiker aufgepeppt – die Musik ist der größte Unterschied  „normalen“ deutschen Gottesdienst.
Mein Gastvater hat mal gefragt, warum das bei uns so anders ist – worauf man jetzt viel sagen könnte, und ich immer noch nicht genau weiß, was.

Last but not least: 
ein Fußballerlebnis von mir: (Und das von jemanden, der nicht mal die WM übermäßig spannend findet) Man stelle sich 11 motivierte, brasilianische Jungs pro Team vor. Allerdings kriegt jetzt jeder noch ein Mädchen an die Hand und darf es nicht loslassen. GAUDI! Und das erste Fußballspiel, das wirklich Spaß gemacht hat 🙂

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Wer aufhört, besser werden zu wollen, hört auf, gut zu sein. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Was mache ich  nach 12 Jahren Lernen und Abi?
Weiterlernen.
Zumindest ist das gerade die Realität 🙂 (Und damit kann ich vermutlich auch für Debbie sprecen)
Es gibt auch so wahnsinnig viel zu lernen hier. (Und man sollte meinen, wenn man als Deutsche nach Brasilien kommt, kann man am besten Brasilien etwas beibringen)

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Oben auf dem Bild seht ihr das Ergebnis unseres Schminkunterrichts (♥-lichen Dank an Dannilly & zuletzt auch Dannivilly, meinen modebewussten Gastschwestern).

Dann ist normales Reden hier natürlich immer eine Art Sprachtraining. Und wir wechseln grad ziemlich locker zwischen Englisch (Danilly), Deutsch (Debbie&Danivilly) und Portugiesisch (alle, wir Deutsche versuchen das zumindest). Dazu versuchen Debbie und ich uns zum Vokabel und Grammatiklernen zu motivieren – und nehmen Unterricht beim Gastvater.
Die Kultur lernt man so nebenbei kennen.
Wusstet ihr, dass es hier normal ist, einem weiblichen Baby Ohrlöcher stechen zu lassen? Da hat es noch keine Angst davor 😀

Dazu kommen noch Erfahrungen mit den Kindern dazu – Debbie malt fleißig Kunstwerke für die Kinder, wir sind am Aktionen planen. Und natürlich haben die Kleinen jeden Tag neuen süßen Unsinn im Kopf. 😉  Oder wir sitzen bei den Großen mit drin und checken ab, wie viel wir von brasilianischem Matheunterricht verstehen.

Außerdem gab es jetzt mehrere Koch-/Backversuche:

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(hier gibts auch Bilder von unseren sensationellen Kässpätzle!)
Debbie und ich werden WG-reif. 😉 Und die „deutschen“ Berühmheiten im Supermarkt nebenan.

„Sing mal irgendwas.“ – „Alle meine Entchen … “  –> und schon wurden kurz die Akkorde dazu improvisiert und plötzlich klingt es brasilianisch (für mich klingt die Gitarrenmusik hier immer nach Strand & Urlaub)
Meine Gastmama hat mir zu meinen langersehnten Gitarrenstunden verholfen. Und zum liebsten Gitarrenlehrer, den ich je getroffen habe. In der ersten Stunde musste ich mich aber dann erst mal darauf einstellen, dass ein C oder C-Akkord hier plötzlich „Do“ heißt. Das wird dann nach der lateinischen Tonleiter weitergeführt, die aber leicht ins Portugiesische abgewandelt wurde 😉
(Die Musiker unter euch ahnen also schon: Do – Ré (He) – Mi – Fá – Sol – La – Si – Do)
Dafür strahlt mein Lehrer einfach aus, wie sehr er mich gern unterrichtet: Er hätte nie damit gerechnet eine Deutsche zu unterrichten, erzählt glücklich allen möglichen Leuten von unserem Unterricht, findet meine Schreibweise von „Symphonie de Beethoven“ toll und möchte eine Übersetzung von „Deus é amor“ – „Gott ist Liebe“. Diese Ruhe, die der ältere Herr ausstrahlt, kommt von Herzen.
Er hat mir außerdem eine Gitarre zum Üben mitgegeben, weil er die von David als schwer spielbar empfand (der Bundabstand variiert tatsächlich von 2mm – 1cm) 🙂
Und wenn er spielt (meist Melodien, aber dann auch locker kurz Bossa Nova, im Jamaika-Stil…) denkt man sich immer nur: „Das will ich auch können!“

Also heißt es weiter fleißig lernen. 😉 Hier sollte man eigentlich noch Surfen/Tanzen/Brasilianisch Kochen lernen/… ausprobieren, wer weiß was wir alles noch anstellen…

Wollt ihr das Beste hier sehen?

Meine Schätzchen <3

Das sind meine 2 Schatzis auf ihrem Lieblingsplatz.
Debora, die Katze hat sich in dein Bett verliebt. (Debora, die andere Freiwillige kommt schon in 2,5 Wochen) Wir sind aber dabei, sie immer wieder zu verjagen…
Du willst hier ja schließlich schlafen 🙂

Meinem Bett und mir gehts weiterhin gut, letztens war hier so ne Art Jugendtreff – ich bin voller Ehrfurcht vor den Gitarristen hier. Es wird einfach alles ohne Liedblätter gesungen und gespielt. Ich sollte mir hier jemanden suchen, der’s mir besser beibringt…
Das ist hier schon der größte Unterschied, auf die Gemeinde bezogen: die Musik. Es gibt in jedem Gottesdienst Bandmusik, am Mikrofon und Instrumenten junge Erwachsene. Und mehr Publikum…
Letzten Sonntag war schon wieder ein bekannterer Sänger da, und es gab ein Gemeindeessen (Churrasco = Gegrilltes. Das Standartessen für Feierlichkeiten. Nicht ganz so meins…).
Aktionen gibts hier anscheinend auch passend zum Monat: Der nächste ist, wenn ich mich richtig erinnere, den Kindern gewidmet. Es gibt aber auch einen für die Familie, mit z.B. mal einem romantischen Candle-Light-Dinner für alle Pärchen/Eheleute…
Das ist doch mal was 🙂

Die letzten Tage wars kälter, jetzt kommt endlich die Sonne wieder raus. Was meine Schule nicht daran hindert, die Ventilatoren einzuschalten – es ist echt kalt dort -.- (WARUM tun sie das?? Morgen komm ich mit Jacke.)
Letzte Woche konnte ich dann mehr mithelfen, weil eine der Tias 2 Tage nicht da war. Was auch schwierig war. Wenn ich jetzt auf Portugiesisch sagen kann, „Setz dich“ heißt das ja dann nicht, dass die Kinder das machen…
Mein Versuch, „Bello, dein Knochen ist weg“ zu spielen, war auch nicht glorreich. Aber mein Portugiesisch verbessert sich ja noch. 🙂
Und die Tia ist wieder da. 🙂 Heute hab ich sogar eine Blume von einem Mädel bekommen.  😉

Dann ist da noch Alexandre. Ein verträumter Junge mit langen Locken. Leider zu verträumt, dass es normal sein kann. Was er genau hat, weiß ich nicht, es wurde mir nur auf Portugiesisch erklärt. Er steckt voller Energie, und das ist manchmal nicht leicht in der Gruppe – er kann manchmal eben gar nicht aufhören, auf dem Stuhl zu schaukeln. Oder warten, bis er an der Reihe ist.
ich wüsste echt gern, wie man solche Kinder genauer fördert… Was würde meine Mädchenkreisleiterin wohl dazu sagen?

Weil die Schule der Kleinen erst mittags losgeht, verschlaf ich die Morgende meistens.
Also, verabredet euch morgens mit mir zum Skypen. Dann steh ich auf und hab mehr vom Tag! 🙂

NOSSA!

Ihr erinnert euch bestimmt alle an dieses „Nossa, Nossa“ – Lied, das wir alle nicht mehr hören können. „Nossa“  (jetzt nicht das Lied) hört man hier öfter, es is so eine Art „Wow! Wahnsinn! Mega! Super! Irre!“.

Also: NOSSA war es, zwei Tage lang das Papa-Lied der Kinder als Ohrwurm zu haben (ja, es nervt nach dem 20ten Mal üben; auch wenn ich jeden Übungstag den Text einen Tick besser verstehe);
mit meinem brasilianischen Make-Up bin ich NOSSA (= Kompliment) ;
die Leute in brasilianischen Realityshows sind NOSSA (= ziemlich irre. Realityshows scheinen immer schlecht zu sein. Brasilianische Telenovelas sind immerhin mit guten Schauspielern besetzt);
die Katze ist NOSSA, wenn sie jeden möglichen Trick anwendet, um an Essen zu kommen (letztens hat sie Magarine gegessen. Kein Scherz.);

…und ich habe brasilianische Musik für mich entdeckt! NOSSA! Das heißt, ich liebe sie.

João Alexandre war gestern in unserem Abendgottesdienst,ein bekannter Musiker aus São Paolo.
Es ist NOSSA, dass Glaube und Musik keine Sprachgrenzen kennen, und eben trotzdem echt berührend sein können. Demnächst werd ich mir mal eine CD von ihm besorgen, dann kann ich euch vielleicht auch was zu den Texten sagen. Aber hört rein, es lohnt sich (schon allein sein Gitarrenspiel ist einfach nur NOSSA-ich will auch!!)

Wer eher auf Chris Tomlin und z.B. „God of This City“ steht, kann es mal mit der brasilianischen Version versuchen (hierbei geht ein Dank an Nicolas Blog, für den Tipp):