„Ein Lächeln ist wie Marmelade auf dem Toastbrot“

– Das ist ein Zitat des bekannten Sängers João Alexandre (hier ein Link zum Reinhören) während eines Gottesdienstes-

Wirklich passend fand ich das als Deutsche, weil hier Marmelade meistens nicht auf dem Frühstückstisch steht. Die ist teuer hier, aber (salzige) Margarine tuts ja auch 🙂

Ich bin mittlerweile schon 3 Monate hier, fast Halbzeit!

Zeit für ein Rückblick-Fragerunde!

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Also, wie ist mein Eindruck nach 3 Monaten?

Mir gefällt es hier immer noch sehr 🙂 Wir haben tolle Leute kennengelernt und ins schöne Brasilien reingeschnuppert… (Die Palme vorm Haus ist immer noch cool!) Und Reisen ist auf jeden Fall eins meiner Lieblingshobbies 🙂 Was mich auch dazu bewegt hat, hier den Karneval noch miterleben zu müssen…

Wie klappt das mit der Sprache?

Das kommt immer drauf an… Eigentlich ist es doof, sowas als Deutsche gefragt zu werden, die Brasilianer um mich herum wissen das doch viel besser 🙂
Ich rede immer noch viel Deutsch/Englisch, einfach weil Danny und Debbie so viel um mich rum sind… Ich komm mittlerweile durch, und es wird besser – und ich bin grad dabei, ein portguiesisches Buch zu lesen (anstrengend, weil mir noch die Vokabeln fehlen…)Aber es wird besser…

Wie ist es so, Debbie fast 24h/Tag um sich herum zu haben?

Es lässt sich gut mit ihr leben 🙂 Wir werden übrigens stääändig gefragt, ob wir Schwestern sind. (Nein.) So richtig auf die Nerven sind wir uns immer noch nicht gegangen – aber wir haben ja noch Zeit dazu 🙂 Es ist jedenfalls auch gut, sie an meiner Seite  zu haben. Sie checkt nämlich meine deutsche, christliche, mädchen- und portugiesischlernende Perspektive 🙂 (Ich finde jetzt grade keinen besseren Ausdruck dafür :D)

Was nimmst du von hier mit? Was wird dich vielleicht verändern?

  • den Effekt, dass du plötzlich vollkommen unnütz bist, einfach weil dir die Sprache fehlt.
  • Wertschätzung so alltäglichen Dingen wie Sicherheit, Gesundheitssystem, Möglichkeiten, fehlende Korruption… Oder auch Spannbettlaken 😉
  • einfach Leute anzuquatschen kann super Gelegenheiten bieten… Und das Gefühl wenn sich jemand unerwartet kurz für dich, mit der kaum vorhandenen Sprache, Zeit nimmt. Was den Tag für diese Person  verändert, aber eigentlich nicht viel Aufwand ist. Denk an das Marmeladen-Brot-Lächeln 🙂 Hier sind die Leute alles so marmeladenmäßig freundlich! (Nachteil des Ganzen: Du wirst nicht wirklich kritisiert. Wenn es irgendwo Probleme gibt, wird einfach nicht darüber geredet – also kannst du nie so wirklich sicher sein, was man über dich denkt. Aber für die paar Monate hier ist es super 🙂 )
  • Das natürlich nicht immer alles einfach ist, und schon dreimal nicht so, wie man sich alles vorstellt. Zum Beispiel, wenn du nicht sofort loslegen kannst, weil jemand für dich anrufen muss. Oder alles nach brasilianischer Zeit läuft. Übrigens regnet es gerade, während ich diesen Blogeintrag schreibe. Vermutlich erzählt/schreibt jeder eher über Highlights als über schwierige Momente – aber es gibt sie trotzdem. Ist aber kein Weltuntergang.
    In all dem einfach mal gechillter bleiben. Wir haben mal ca. 45min wegen einem Problem in einer Schlange vor Kasse gewartet – und niemand hat gemault. Was ist auch schon Zeit 😉

Lieblingsmomente?

Mein erstes richtiges Gespräch mit Nivia am 2. Tag (wir haben kommuniziert! 😉 und es war sehr herzlich,
zahlreiche witzige Momente mit den Kindern,
bei einem Wochenendausflug aufwachen mit den Meeresrauschen,
Sandburgen bauen mit David und Debbie, brasilianische Musik am Strand,
leckeres Zeug zum ersten Mal essen (tolle Früchte, Açaí, das selbstgemachte Eis, bolo de batata,…),
und einige Gespräche, besonders auf Portugiesisch, wenn du das noch gar nicht gut kannst – und jemand den Aufwand betreibt, trotzdem mit dir zu reden… – Um mal das aufzuzählen, was mir gerade einfällt.

Und da kommen sicher noch ein paar dazu 🙂

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Portugiesisch für Anfänger und Riotipps

Portugiesisch für Anfänger

Abgesehen von der Schule sind Debbie und ich auch das erste Mal allein in Rio herumgeirrt.
Das ist ziemlich witzig, weil man Rio eigentlich nur per Bus wirklich entdecken kann.  Und ratet mal, was man auf keiner Karte findet. Richtig, Bushaltestellen oder Buslinien.  Die beste Strategie ist nach unserer Erfahrung, den Fahrgeldkassierer oder Busfahrer zu fragen – alle werden dir freundlich den Weg erklären, natürlich auf Portugiesisch. Oder sonst irgendwen – dabei sollte es aber besser eine Frau sein (ungefährlicher). Auch sonst werden wir hier ständig ermahnt:
„Redet leise Deutsch. Du kannst hier nicht einfach laufen, immer schauen, was um dich herum passiert! Nehmt nur eine Kamera mit. …“

Der Botanische Garten war echt schön, heute gibt es mal Bilder ohne uns: (und es gab auch kleine Äffchen, die aber ganz oben im Baum und zu schnell für unsere Kamera waren)
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???????????????????????????????(Debbies Lieblingsmärchenbaum)

Anders [2] Diesmal: Brasilianer sein

Vorgestern hat Debbie (meine Mitfreiwillige: hier ihr Blog) ihre ersten Brasilianer außerhalb der Familie kennengelernt.
Sie hat genauso reagiert wie ich und dadurch wird einem nur mehr bewusst, wie offen und brasilianisch alle sind.
Das sind so meine, bzw. unsere Eindrücke:

Die Mädels, die mit Danny am Modelwettbewerb teilnehmen, sind alle übelst interessiert – mal was Neues, so zwei deutsche Mädchen.
Natürlich wurden wir auch alles mögliche gefragt, zum Beispiel welche Autos wir selber in Deutschland fahren (den Modellnamen kannten sie nicht) oder wie unsere Eltern zu unsrem Projekt hier stehen.

Zeit ist übrigens wirklich spürbar relativ. Vermutlich war Albert Einstein einfach in Brasilien, als er das herausgefunden hat. Da kommt man mit Danny zu der 9 Uhr Probe um 9.15 Uhr, also so gut wie pünktlich und dann heißt es trotzdem warten. Allerdings „chillen die alle ganz schön hart“ (Debbie) und mit ein paar Kleinigkeiten zum Essen überbrückt man die Zeit mit Schwätzen… Um 10 Uhr gings dann in den Raum und so 10 Minuten später dann sogar los mit Üben…
Noch ein Zeitbeispiel: Heute war der Wettbewerb (um 16 Uhr) und Danny sollte schon eine halbe Stunde früher da sein. Also waren wir so Viertel vor 16 Uhr da – Da wurde grade noch der Laufsteg aufgebaut. Um 18.30 Uhr hat es dann tatsächlich angefangen…

Soundtrack zum Wettbewerb von der „brasilianischen Beyoncé“  gibts in diesem Youtube-Clip:

(In dem super angesagten Lied geht es um Frauenpower)

Die Jungs sind auch offen: Jedes Mädchen mit einem Selbstwertproblem sollte nach Brasilen reisen. Dann wird sie erstmal wegen ihrer tollen Augen und Aussehen beschwatzt. Und kräftige Oberschenkel? Hier total in. (Brasilianerinnen machen Workout dafür oder haben sogar Implantate) Brasilianische Models sind zwar dünn, aber anscheinend keine Jungsmagneten.
Auch fehlende Sprachkenntnisse werden sie von nichts abhalten: Man zeigt einfach auf seinen Kumpel am Tisch und sagt: „Beautiful? Beautiful?“. Oder auf sich: „Friends? Friends?“ usw.
Alles ganz normal hier. Ich bin froh, dass ich ihnen mittlerweile schon ein bisschen mehr sagen kann. Sollte mir was zuviel werden, schimpf ich ich mit ihnen wie die Tias mit den Kindern 😉

Vorfreude (:

Bald ist es soweit, es sind nun keine zwei Wochen mehr!

Am Dienstag den 30. Juli fliege ich dann (nachts) 12 h 15 min lang nach Rio…
Mit mir fliegt ein treuer Gefährte namens Koffer, der dann hoffentlich kein Übergewicht hat – maximal 23 kg sollte er haben.
Dann heißt es vermutlich erstmal Schlaf nachholen, Jetlag, mich an die ca. 5-stündige Zeitumstellung gewöhnen und… Kulturschock 🙂

Bis dahin muss ich noch unbedingt mit allen möglichen Leuten was unternehmen, die letzten Dinge besorgen (heute zum Beispiel: billige Uhr + Sonnenbrille), etc.
Die verbleibende Zeit fliegt mir schon davon, vielleicht hol ich sie ja auf dem Flug wieder ein 😉